AWA Compliance Summit 2015

Compliance-Kongress in der Aula des Schlosses zu Münster

Compliance déjà-vu? Ehrlich, ordentlich, genügsam, gerecht – nur einige der Tugenden, die ehrbaren Kaufleuten seit jeher zugeschrieben werden. Die Bezeichnung Ehrbarer Kaufmann ist in Europa ein Leitbild für verantwortliche Akteure im Wirtschaftsleben. Die positiven Eigenschaften der Ehrbaren Kaufleute spielen auch heute noch eine große Rolle und erleben geradezu eine Renaissance. So tragen eine moralisch aufgeklärte Unternehmensstrategie und eine an Werte gebundene Unternehmensführung wesentlich zum nachhaltigen Erfolg eines zukunftsorientierten Unternehmens bei. Compliance ist das Stichwort.

Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie Gesetze, Richtlinien und freiwillige Kodizes befolgen und einhalten können. „Compliant zu sein“ ist wichtig, gerade in Zeiten der Globalisierung. Welche Auswirkungen etwa ein fehlerhaftes Compliance Management System (CMS) haben kann, zeigt nicht zuletzt das so genannte Neubürger-Urteil des LG München I vom Oktober 2013: Der Vorstand eines deutschen Unternehmens wurde unter anderem wegen eines unzureichenden Compliance-Systems und daraus resultierenden Schäden für das Unternehmen zu Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt. Nicht zuletzt dieses Urteil sendet klare Signale: Jedes Unternehmen muss sich ernsthaft mit der Einrichtung eines funktionsfähigen Compliance-Systems befassen.

Veranstaltungsüberblick

Am ersten Tag des AWA Compliance Summit ging es um allgemeine Compliance-Themen in Zusammenhang mit Zertifizierungsmöglichkeiten und Haftungsrisiken. Der Fokus des zweiten Tages lag auf Compliance-Systemen in der Außenwirtschaft.

Ein Schwerpunkt des AWA Compliance Summits 2015 war die neue „ISO 19600 Compliance Management Systems (CMS)“, die hohes Potenzial besitzt, eine Grundlage für die Zertifizierung von CMS zu werden. Sie wurde am 5.12.2014 veröffentlicht und gibt ausführliche Empfehlungen darüber, wie CMS im Unternehmen eingerichtet, entwickelt, umgesetzt, evaluiert, aufrechterhalten und verbessert werden können. Durch hohes Anerkennungspotenzial hat die ISO 19600 die Chance zum globalen CMS-Standard zu werden. Die Norm ist flexibel gestaltet und richtet sich nicht nur an große Unternehmen, sondern auch an den Mittelstand, Verbände, Stiftungen und Behörden. Die Vorteile: Durch eine ISO-Zertifizierung könnten interne Schwachstellen im Unternehmen gefunden und behoben werden. Außerdem sind die einzelnen Module der Norm Standards, die auch auf andere Compliance-Felder angewendet werden könnten. Weiterhin hätte eine Zertifizierung eine äußerst positive Außenwirkung für das Unternehmen mit Blick auf Projektpartner, Kunden, Lieferanten und Behörden.

Auch im Bereich Zoll und Exportkontrolle könnte sich eine Orientierung an und Zertifizierung mit der ISO 19600 für Unternehmen lohnen. Unternehmen, die ohnehin schon über ein Internal Compliance Programm (ICP) verfügen, hätten die Möglichkeit, ihr bestehendes ICP an der ISO 19600 spiegeln zu lassen und dafür im Idealfall eine Zertifizierung zu erhalten. Darüber hinaus könnte die Norm verhindern, dass das Unternehmen Fehler im Außenwirtschaftsrecht aufgrund von Organisationsdefiziten begeht und so zur Vermeidung von hohen Bußgeldern oder Strafen beitragen.

Auf dem AWA Compliance Summit referierten bekannte Persönlichkeiten, darunter Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. So hielt z.B. Dr. Rolf Raum, Vorsitzender Richter am BGH, eine Keynote Speech zum Thema „Bedeutung von Criminal Compliance für Zurechnung und Strafzumessung“.

Einen ausführlicher Bericht zur Veranstaltung finden Sie auf dieser Website.

 

Herzliche Grüße

Ihr AWA-Team